Chronische Krankheiten: Wie uns Tiere helfen, damit zu leben

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Hallo und willkommen zu meiner Kolumne 🙂 Mein Name ist Stephanie, ich bin 42 Jahre alt und ich bin Krankenschwester. Ich lebe seit 27 Jahren mit Typ-1-Diabetes und bin seit 2017 auch Mutter eines Kindes, das mit DID lebt.

Wenn Sie nicht bereits Ihren Alltag mit einem Fell- oder Federknäuel teilen, werden Sie nach der Lektüre dieses Artikels keine Zweifel mehr daran haben, welche Vorteile Haustiere mit sich bringen. 

Assistenzhunde, Reittherapie, Tierbesuche in Krankenhäusern… Die Vorteile unserer pelzigen und gefiederten Freunde sind allgemein bekannt. Sie sind Balsam für die Seele, spenden Trost und vieles mehr. Kleiner Spoiler: Sie machen auch das Leben mit einer chronischen Krankheit wie Diabetes besser! 

Tiere und Typ-1-Diabetes: Unterstützung und viel Trost

Es ist bekannt, dass das Leben mit Diabetes eine ständige psychische Belastung darstellt (ein großes Thema!). Den Alltag mit einem Haustier zu teilen ist erfüllend, wirkt entspannend und hilft sehr, sich mit etwas anderem als dem eigenen Diabetes zu beschäftigen. 

Wenn man mit einer chronischen Krankheit und insbesondere mit Diabetes lebt, gibt es Momente, in denen man sich unverstanden fühlt und frustriert ist, weil man den Tag oder die Nacht mit einer Hypo- oder Hyperglykämie verbracht hat, obwohl man wie immer versucht hat, alles richtig zu machen … In diesen Momenten, die psychisch oft schwer zu bewältigen sind, sind Tiere eine unerschöpfliche Quelle der Unterstützung und des Trostes. Sie haben diese beeindruckende Fähigkeit, zu spüren, wenn etwas nicht stimmt und unsere Gefühle zu verstehen. In diesen Momenten gibt es nichts Besseres als die Nähe des geliebten Haustiers, mit ihm zu kuscheln und es zu streicheln, um sich weniger einsam zu fühlen und sein Selbstvertrauen wiederzufinden. 

Für manche Menschen ist die Kommunikation mit anderen Menschen manchmal nicht so einfach. Unsere Haustiere urteilen nicht und fördern andere Formen der Interaktion, die vor allem durch nonverbale Kommunikation (ein Blick, eine Geste, eine Haltung usw.) entstehen. 

Meine Geschichte dazu: 

Ich erinnere mich an einen Abend, ich war noch Teenager, an dem ich Angst bekam. Ich wusste noch nicht lange von meinem Diabetes, ich war sehr verunsichert und hatte viele Fragen. Es war das erste Mal, dass ich einen solchen Zustand erlebte. Ich wusste nicht, was ich tun sollte, ich fühlte mich alleingelassen und hilflos. 

Damals hatten wir in meinem Elternhaus eine Katze aufgenommen. Wir nannten sie Anuschka, sie war ganz weiß, und sie war ein wahrer Schatz! An diesem Abend, als ich allein in meinem Bett vor mich hin grübelte, kam sie zu mir und kuschelte mit mir und schnurrte die ganze Zeit. Sie war einfach da, es war, als würde sie mich verstehen. Sie blieb bei mir, bis ich mich besser fühlte und es mir gelang einzuschlafen. Ihre Anwesenheit hat mir so gut getan, sie hat mich wirklich getröstet. 

An diesen besonderen Moment werde ich mich mein ganzes Leben lang erinnern. Wenn ich mich aufrege und gestresst bin, versuche ich, mich an die Momente mit Anuschka zu erinnern, um wieder zur Ruhe zu kommen. Tiere haben diese unglaubliche Fähigkeit, uns ein gutes Gefühl zu geben und uns zu helfen, die Einsamkeit zu überwinden. Für Menschen mit Diabetes ist dies sehr, sehr wichtig! 

Ob Hund, Katze, Kaninchen, Pferd… Es spielt keine Rolle, welches Haustier man hat, man muss nur das richtige für sich finden.

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Hunde, die Hypo- und Hyperglykämien erkennen können 

Wie für Sehbehinderte, Blinde oder unter Ängsten leidende Menschen gibt es auch für Diabetiker Assistenzhunde. Sie werden dazu ausgebildet, Hypo-/Hyperglykämien zu erkennen und gegebenenfalls Alarm zu schlagen. Und das alles dank ihres beeindruckenden Geruchssinns!

Forscher/innen der Universität Cambridge haben eine Studie durchgeführt und herausgefunden, dass Personen mit einer Hypoglykämie ein VOC* produzieren, das im Atem enthalten ist und vom geschulten Geruchssinn des Hundes wahrgenommen werden kann. 

*VOC, was ist das?  

Es hat nichts mit COVID zu tun. VOC steht für Volatile Organic Compound (flüchtige organische Verbindung), auch Isopren genannt.

Der Hund wird dazu ausgebildet, sein Herrchen oder Frauchen durch Stupser mit der Schnauze auf Beine oder Arme zu warnen. Wenn er/sie nicht reagiert, drückt der Hund auf einen Alarmknopf, der den Notruf auslöst.

Genauso ist der Hund dazu in der Lage, den speziellen Atemgeruch zu erkennen, der durch die Ketoazidose bei Hyperglykämie auftritt.

Damit dies zuverlässig funktioniert, sollte der Hund so viel Zeit wie möglich an der Seite der Person verbringen, die mit Diabetes lebt. Da jeder Mensch seinen ganz eigenen Geruch hat, muss sich der Hund daran gewöhnen. 

Mehrere Vereine bilden Hunde aus, um die Lebensqualität von Menschen mit Diabetes zu verbessern und die Häufigkeit von schweren Hypo- und Hyperglykämien zu verringern: 

Hiervon können zwar nicht alle Menschen, die mit Diabetes leben, profitieren, aber alle können ein Haustier bei sich aufnehmen.

Ihre positive Wirkung auf die Gesundheit ist unumstritten.  

Mehr Aktivität, weniger Übergewicht 

Bestimmte Tiere motivieren ihre Halter/innen, spazieren zu gehen, zu laufen und sich überhaupt mehr zu bewegen. Mehr Bewegung trägt dazu bei, durch den Lebensstil bedingte Probleme zu verringern, z. B. Übergewicht oder bestimmte Formen von Diabetes. 

Hinweis: Regelmäßige körperliche Aktivität wird unabhängig davon empfohlen, ob Sie mit einer chronischen Krankheit leben oder nicht. 

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Weniger Probleme durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und weniger neurologische Komplikationen 

Mehrere Studien haben belegt, dass Haustiere dazu beitragen, unseren Herzschlag zu verlangsamen und den Blutdruck zu senken. 

Hätten sie es gewusst? Das Schnurren von Katzen senkt das Risiko, einen Schlaganfall oder Herzinfarkt zu erleiden. 

Eine Studie des Instituts für Schlaganfall („Stroke Institute“) der Universität Minnesota kam zu dem Ergebnis, dass 30 % der Menschen, die eine Katze haben, eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, keinen Schlaganfall oder Herzinfarkt zu erleiden. 

Gleichzeitig hat  eine auf dem 74. Kongress der American Academy of Neurology vorgestellte Studie gezeigt, dass Hunde und Katzen der Gesundheit des Gehirns förderlich sind und dem geistigen Verfall entgegenwirken. 

Mehr Wohlbefinden

Die Mensch-Tier-Beziehung und die damit einhergehende emotionale Bindung bewirkt: 

  • die Freisetzung von Oxytocin, einem „Glückshormon“, 
  • die Senkung des Cortisolspiegels im Blut, einem Hormon, das als physiologischer Indikator für Stress gilt, 
  • die Erhöhung des Endorphinspiegels, einem Hormon, das ein Gefühl des Wohlbefindens auslöst. 

Und, haben wir Sie überzeugt? Sie warten nur auf Sie und wissen sehr gut, wie sie Ihr Herz erobern! 

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