Wie spricht man beim ersten Rendezvous seinen Diabetes an (oder nicht)?

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Hallo an alle und willkommen bei meiner Kolumne 🙂 Ich bin Stéphanie, ich bin 42 Jahre alt und Krankenschwester. Ich lebe seit 27 Jahren mit Diabetes Typ 1 und seit 2017 bin ich auch Mutter eines Kindes mit insulinabhängigem Diabetes.

Situation 1: Sie sind direkt!

Wenn man an Diabetes leidet, quält uns ein näher rückendes erstes Date oft mit Dutzenden von Fragen: „Soll ich beim ersten Treffen über meinen Diabetes sprechen?, Wie wird er/sie reagieren?, Wird er/sie die Beine in die Hand nehmen und weglaufen?, Wird er/sie mich wiedersehen wollen?”… Diese Fragen hatte ich auch. Meiner Meinung nach gibt es mindestens drei Szenarien. Hier sind einige Tipps, damit Ihr erstes „Date“ ein Erfolg wird!

Sie entscheiden sich dafür, beim gegenseitigen Vorstellen die Karten auf den Tisch zu legen: „Hallo, mein Name ist Lucie, ich bin 20 Jahre alt, ich bin Studentin der Business School, ich tanze, ich lache gern viel. und ich habe DIABETES!” Das war’s! (Puh).

Das kann funktionieren, wenn dieses erste Date ein Vorstellungsgespräch oder ein anonymes Treffen von Menschen mit Typ-1-Diabetes 😂 ist. Aber Spaß beiseite, das ist es nicht! Diabetes ist nur ein Teil von Ihnen und definiert weder Ihre Persönlichkeit noch Ihre Originalität oder Ihre Charaktereigenschaften.

Wenn ich EINEN Rat für Sie hätte, wäre das, sich Zeit zu nehmen. Für eine Paarbeziehung – egal, ob mit Diabetes oder ohne –  ist es notwendig, sich kennenzulernen und gegenseitiges Vertrauen aufzubauen. Sie müssen beim ersten Date nicht alles sagen. Sonst werden Sie von diesem Zeitpunkt an von Ihrem Partner nicht mehr als die Person gesehen, die Sie sind, sondern als „kranke“ Person.

Situation 2: Sie haben Angst, sie/ihn zu erschrecken und zu vertreiben

Möchten Sie sie/ihn wiedersehen, haben aber Angst, dass sie/er sich wegen Ihres Diabetes weigert? Sie lieben sie/ihn und möchten nicht, dass sie/er Sie verlässt? Wird sie/er denken, dass Sie sehr krank sind und dass Sie für den Rest ihres/seines Lebens eine Belastung sein werden?

All diese Ängste sind unbegründet, und tief im Inneren wissen Sie das. Glücklicherweise ist Diabetes keine Krankheit mehr, die zur Invalidität führt. Sie sind der Beweis!

Halten Sie es einfach, Ihre Aussage sollte beruhigend und feinfühlig sein. Sie geben ihr/ihm etwas sehr Persönliches. Ihre/seine Rolle und ihr/sein Platz werden, wie in Ihrer Beziehung, neben Ihnen sein. Nicht anders.

Situation 3: Sie/er weiß wenig oder gar nichts über Diabetes

Auch wenn der Typ-1-Diabetes für Sie keine Geheimnisse mehr birgt, müssen Sie bei den „Grundlagen“ anfangen.

Machen Sie sich keine Sorgen, wenn Sie zuversichtlich sind, wird alles gut laufen. Sie müssen nur die Klassiker revidieren und sich so pädagogisch wie möglich zeigen. Sie erklären ihr/ihm, dass:

  • Diabetes ist eine chronische Erkrankung, die die Regulierung des Blutzuckerspiegels verhindert. 
  • Diabetes verlangt eine Behandlung und tägliche Überwachung. Für diejenigen, die mit Typ-1-Diabetes leben, ist dies eine Gelegenheit, die Funktionsweise aller Geräte (Blutzuckermessgerät, kontinuierlicher Blutzuckersensor, Insulinpumpe usw.) zu erklären und ihr/ihm zu zeigen, dass Sie auf dem neuesten Stand der Technik sind!
  • Was ist eine Hypoglykämie (Unterzuckerung) und eine Hyperglykämie (Überzuckerung)
  • Diabetes ist nicht ansteckend
  • Sie können auswärts essen, reisen, feiern, Sport treiben… (und viele andere Dinge).
  • Welche Rolle kann er/sie bei Notfällen spielen? Ihr Begleiter wird sich natürlich Sorgen um Sie machen…

Ein letzter Tipp: Lassen Sie sie/ihn nicht das erste Restaurant wählen! Als Anekdote: Bei unserem ersten Date lud mich mein Auserwählter in ein Restaurant ein, in dem alle Gerichte auf Süßigkeiten basierten. Das war vielleicht ein Zeichen… Der Abend verlief jedoch wunderbar und ich habe es ihm diesem Tag nicht erzählt.

Ich habe auf den RICHTIGEN Moment gewartet. Als er mich fragte, warum ich mein Handy an meiner Taille trug, musste ich ihm erklären, dass es meine Pumpe war (Insulin, ich sprach nicht von meinen Schuhen (Pumps!).

Humor funktioniert auch sehr gut bei der Ankündigung von Diabetes.

Ich wünsche allen viel Glück, vertrauen Sie auf sich selbst und alles wird gut gehen!

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