Diabetes und Zeitverschiebung bei langen Flugreisen

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Die Koffer sind gepackt, alles ist reisefertig. Sie brauchen nur noch zum Flughafen zu fahren, um zu neuen Horizonten aufzubrechen. Die komplette Ausrüstung zur Handhabung Ihres Diabetes mellitus ist sicher im Handgepäck verstaut, zusammen mit einem gültigen Rezept. Nun stehen Sie vor der Frage: Diabetes und Zeitverschiebung, wie passt das zusammen? Wie geht man auf einer Flugreise mit Diabetes Typ 1 um, wenn man mehreren Zeitzonen durchquert? Und wie passe ich mich mit Typ-1-Diabetes an eine Zeitumstellung im Zielland am besten an? 

Wenn Sie weniger als 3 Zeitzonen überfliegen

Wenn Sie nicht in eine andere Zeitzone kommen oder die Zeitverschiebung unter 3 Stunden liegt, braucht man sich (fast) keine Fragen zu stellen. Sie nehmen Ihre Injektion mit schnell wirksamem Insulin (Normalinsulin) oder Ihren Bolus über Ihre Insulinpumpe während der Mahlzeiten und/oder Zwischenmahlzeiten im Flugzeug. Typ 1er und Typ1erinnen, die mit Pens arbeiten, müssen sich ihr langwirkendes oder Mischinsulin zu denselben Uhrzeiten verabreichen, wie Sie es auch zu Hause tun.

Diese Vorgehensweise ist bei Kurzstreckenflügen (wie z.B. Berlin > Rom) und bei Langstreckenflügen (Berlin > Kapstadt) gleich, denn die Essenszeiten weichen nur geringfügig von den gewohnten Uhrzeiten ab.

Wenn Sie mehr als 3 Zeitzonen überfliegen

Regel Nummer 1: Während des Flugs bezieht man sich auf die Abfluguhrzeit und stellt die Uhrzeit der Armbanduhr und der Diabetes-Ausrüstung erst nach der Landung um. Diese Regel gilt sowohl für Pumpenträger als auch für alle, die Insulinpens nutzen. Diese Zeitumstellung ist einfach zu handhaben, man darf sie nur nicht vergessen.

Während des Flugs berechnen Sie, bei Mahlzeiten oder Zwischenmahlzeiten, Ihre schnellwirksame Insulin-Dosis wie gewohnt. 

Spritzrhythmus, Anpassung der Basalinsulin-Dosis, Essen & Snacks während des Fluges

Lassen Sie sich von den Flugbegleitern und Flugbegleiterinnen mit dem Management ihres Diabetes Typ 1 im Flugzeug helfen! Ihren Bolus verabreichen Sie sich zu dem Zeitpunkt, an dem Ihnen das Essen und die Snacks im Flieger serviert werden. Denken Sie daran, dass Sie nicht unbedingt alles essen müssen, was Ihnen an Bord angeboten wird 😉.

Im Allgemeinen ist es nicht erforderlich Ihre Basalinsulin-Dosis oder die Basisrate Ihrer Pumpe während des Flugs zu ändern. In manchen Situationen kann es jedoch sinnvoll sein, vorübergehend auf die Basalrate umzustellen, beispielsweise um die Gefahr einer Hypoglykämie (Unterzuckerung) nach längerem Fußmarsch durch den Flughafen zu verringern (vorübergehende Reduzierung der Basalrate) oder umgekehrt, um eine Hyperglykämie (Überzuckerung) zwischen den Mahlzeiten zu korrigieren (vorübergehende Erhöhung der Basalrate). 

Bei Typ 1ern und Typ 1erinnen, die einen Insulinpen benutzen, gilt dieselbe Regel für schnellwirksames Insulin. Die Frage stellt sich dann für langwirkendes Insulin (und eventuell für Mischinsulin). 

Wenn Sie nach Osten fliegen, wie z.B. Frankfurt > Tokyo

Während der Reise wird Ihr Tag kürzer. Wenn Sie Ihre Injektion mit langwirksamem Insulin zur üblichen Uhrzeit spritzen, liegen anschließend weniger als 24 Stunden zwischen den beiden Injektionen.

Sie haben zwei Möglichkeiten, um die Zeitumstellung im Zielland mit Diabetes mellitus 1 gut zu managen: 

  1. Sie verschieben Ihre gewohnte Spritzzeit, damit Sie wieder einen 24-Stunden-Rhythmus zwischen zwei langwirkenden Injektionen erreichen. Danach können Sie die Uhrzeit schrittweise verschieben (z.B. um jeweils eine Stunde pro Tag), damit die Insulingabe zur selben Uhrzeit wie zu Hause stattfindet. Sie passen sich also Schritt für Schritt an die Zeitumstellung an.
  2. Ihr langwirkendes Insulin können Sie mit Hilfe einer Injektion schnellwirkenden Insulins (Normalinsulin) verschieben. Das bedeutet, dass Sie am Flugtag zur gewohnten Uhrzeit statt des langwirkenden Insulins eine Injektion schnellwirkendes Insulin spritzen und dann nach der Ankunft Ihre langwirkende Insulingabe zur gewohnten Uhrzeit in Ortszeit vornehmen (wenn Sie gewohnt sind, Ihr langwirkendes Insulin in Frankfurt um 21 Uhr zu spritzen, dann spritzen Sie dieses auch in Tokyo um 21 Uhr; Sie haben also lediglich zwischen den beiden Injektionen eine Dosis schnellwirkendes Insulin eingeschoben). 

Wenn Sie nach Westen fliegen, wie z.B. Berlin > Los Angeles

In dieser Richtung wird Ihr Tag länger. Wenn Sie sich für die Injektion mit Ihrem langwirksamen Insulin zur üblichen Uhrzeit entscheiden, liegen nachher mehr als 24 Stunden zwischen den beiden Injektionen. In diesem Fall gleichen Sie die Zeitumstellung am ersten Tag mit schnellwirksamem Insulin aus und behalten dann den gewohnten Spritz-Rhythmus bei, d.h. Sie passen sich mit Typ-1-Diabetes an die Ortszeit und andere Zeitzone an. 

Umgang mit Flugangst und Druck bezüglich des bevorstehenden Flugs 

Freuen Sie sich schon, bald am Ziel der vor mehreren Monaten gebuchten Reise anzukommen? Haben Sie Angst vor dem Abheben, vor der Tatsache, dass es keinen Bodenkontakt gibt und vor der Landung? In diesem Fall kann es sehr gut sein, dass sich der Erzfeind des Insulins, nämlich Adrenalin, während Ihrer Reise bemerkbar macht. Adrenalin lässt den Blutzuckerspiegel ansteigen. Deshalb sollten Sie vor dem Boarding Ihren Blutzucker messen und natürlich bei Bedarf anpassen. 

Bei sehr kurzen Flügen (unter 3 Stunden) und somit meist auch eine geringe Zeitverschiebung, empfiehlt es sich, den Blutzuckerspiegel zu kontrollieren, wenn Sie unsicher sind oder sich unwohl fühlen. 

Bei Mittel- und Langstreckenflügen sollten Sie Ihren Blutzuckerspiegel selbstverständlich vor und nach jeder Mahlzeit oder Zwischenmahlzeit überprüfen. Zögern Sie nicht mehrmals zu kontrollieren, falls Sie Zweifel haben, sollten aufgrund der Anpassung ihres Diabetes mellitus 1 an eine andere Zeitzone. 

Traubenzucker und andere Zuckerquellen im Handgepäck

Umgekehrt kann der Stress vielleicht auch mehr Energie verbrauchen und Hypoglykämien verursachen. Hinsichtlich der Zuckerzufuhr sollten Sie bedenken, dass Sie nicht jede beliebige Zuckerquelle im Handgepäck mitführen dürfen. Eine kleine Packung Apfelsaft oder Orangensaft können Sie nicht im Handgepäck transportieren, denn die werden Ihnen bei der Gepäck-Kontrolle abgenommen. Geben Sie lieber festen Lebensmitteln den Vorzug, die nehmen auch weniger Platz im Gepäck ein: Zuckerwürfel, Traubenzucker, ein Müsliriegel etc. Sie können auch die Duty-Free Shops nutzen und zuckerhaltige Lebensmittel einkaufen, die bei einer Unterzuckerung während des Flugs sehr nützlich sein können 😉! Vergessen Sie nicht, dass die Flugbegleiter und Flugbegleiterinnen während der gesamten Flugdauer für Sie da sind. Falls Sie in Schwierigkeiten kommen, werden sie bestimmt etwas finden, damit Sie Zucker aufnehmen können und schnell zu ihrem Normalwert zurückkommen. 

Insulinpumpe und Pen an Bord, worauf muss ich achten? 

Pumpenträger und Pumpenträgerinnen sollten dafür sorgen, die Pumpe vor dem Boarding aufzufüllen, damit das nicht während des Flugs akut wird. Es gibt nämlich einen wichtigen Grund dafür, denn der durch die Flughöhe bedingte Druck kann das korrekte Befüllen des Pumpenreservoirs beeinträchtigen. Wenn Sie Insulinpens nutzen, ist das egal, sie werden keinen Unterschied bemerken und müssen diesen Schritt nicht vorab organisieren.

Zögern Sie nicht, mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, Ihrem Diabetologen oder einer medizinischen Fachkraft über Diabetes und Zeitverschiebung zu sprechen. Sie sind am besten in der Lage, Ihnen zu erklären, wie Sie während eines Flugs Ihre Insulinzufuhr handhaben können. 

Guten Flug und gute Reise!

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