Diabetisches Fußsyndrom bei Diabetes Typ 1 (Ursachen, Behandlung)

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Unsere Füße ermöglichen uns den Kontakt mit dem Boden, das aufrechte Stehen und das Gehen. Sie sind unentbehrlich. Aber achten wir auch genügend auf ihr Wohlergehen und sind wir für ihre Funktion dankbar? 

Wenn Sie mit Diabetes Typ 1 leben, brauchen Ihre Füße besondere Pflege und Schutz, um Läsionen an der Fuß-Haut zu verhindern. Regelmäßige Untersuchungen auf Anzeichen und Symptome, die auf Veränderungen des Gesundheitszustandes der Fuß-Haut hinweisen, sind ebenfalls nützlich (Arterien, Nerven). 

Menschen, die mit Typ-1-Diabetes leben, sind besonders gefährdet, krankhafte Veränderungen am Fuß zu erleiden, die unter den Begriffen „Diabetisches Fußsyndrom“ oder „Diabetischer Fuß“ zusammengefasst werden.

Kann Diabetes Typ 1 zu Hautläsionen an den Füßen führen? Wenn ja, in welchen Fällen? 

Nach Aussage der Internationalen Arbeitsgruppe für den Diabetischen Fuß IWGDF (International Working Group on the Diabetic Foot)1 können bei Personen, die unter Diabetes leiden, bei chronischer Hyperglykämie gewisse Komplikationen an den unteren Extremitäten (Beine, Füße) entstehen: 

  • Neuropathie (Verlust des Kälte-, Wärme- und Schmerz-Empfindens oder im Gegenteil, spezifische Schmerzen besonders in den Beinen und Füßen),
  • Verminderung der arteriellen Durchblutung (periphere Arteriitis, Ischämie),
  • Veränderung der Statik sowie der Zehen- und Fußgelenke (Hammerzehen, Absenkung des Fußgewölbes, Bereiche übermäßiger Keratose). 

Diese Komplikationen schwächen den Fuß und machen ihn anfälliger für Verletzungen durch externe Faktoren, die Hautgeschwüre verursachen können (Fremdkörper, ungeeignetes Schuhwerk, Schneiden der Fußnägel). 

Der Diabetes greift das Immunsystem an (Immundepression), wodurch die Entwicklung einer mykotischen und/oder bakteriellen Entzündung gefördert wird. 

Nach ihren Ursachen können Verletzungen an diabetischen Füßen in drei Gruppen eingeteilt werden: 

  • Ursache rein neuropathisch (Nerven, 35 % der Fälle), 
  • Ursache rein ischämisch (Arterien, 15%), 
  • Ursache gemischt neuro-ischämisch (Nerven und Arterien, 50 %).2,3,4,5 

Studien schätzen, dass 4 bis 10 % aller Personen, die mit Diabetes leben, eine Wunde im Rahmen eines diabetischen Fußsyndroms entwickeln. Dies gilt verstärkt für Personen, die nur einen beschränkten Zugang zu medizinischer Versorgung haben.6

Diabetischer Fuß bei Diabetes Typ 1: Welche Behandlung ist nötig? 

Bei einem diabetischen Fußsyndrom kann ein Krankenhausaufenthalt mit einer speziellen Behandlung nötig werden, die manchmal auch langfristiger ausfallen kann. 

Die Grundprinzipien der Behandlung bestehen aus Druckentlastung, Säuberung der Wunde, eventueller Revaskularisierung (Wiederherstellung der Durchblutung) und Versorgung der Infektionen7.

Welche Konsequenzen kann ein diabetischer Fuß nach sich ziehen? 

Glücklicherweise ist eine Amputation wegen eines diabetischen Fußsyndroms nur in den seltensten Fällen nötig. Sie muss vor allem dann in Betracht gezogen werden, wenn mit der Behandlung der Wunden zu spät begonnen wurde und diese einen Gefäßbereich betriffen, der allgemein beeinträchtigt ist. 

Was versteht man unter Malum perforans?

Der Begriff Malum perforans bezeichnet ein Fußgeschwür neuropathischen Ursprungs, das sich auf der plantaren Seite des Fußes befindet, in einer Zone, die übermäßigen Druck erfährt und eine Konsequenz der veränderten Anatomie des Fußes darstellt. 

Auf den Druckstellen der Fußsohle bildet sich Hornhaut (übermäßige Keratose), die sich zum Geschwür auswächst und unter der Haut liegende Gewebe in der Tiefe aushöhlt.

Die Entlastung der Druckpunkte (Einlagen, geeignete Schuhe) ist ein wesentlicher Faktor der Behandlung und der Versorgung.

Welche lokalen Besonderheiten entstehen durch einen „verletzten diabetischen Fuß“?

Während des Heilungsprozesses der Wunden sorgt die Immunreaktion dafür, dass die weißen Blutkörperchen mobilisiert werden und ihre Rolle als Verteidiger des Organismus wahrnehmen. Insbesondere durch die Leber werden Entzündungsproteine synthetisiert. Die Blutgefäße spielen dabei eine wichtige Rolle, denn sie transportieren nicht nur Sauerstoff zur Wunde, sondern auch verschiedene Arten von weißen Blutkörperchen, Plaketten, Wachstumstreiber sowie Zytokine, die an der Säuberung der Wunde und ihrer Heilung beteiligt sind. 

Diabetes Typ 1 oder 2 bewirkt eine Verzögerung der Wundheilung durch die Beeinträchtigung eines oder mehrerer dieser Mechanismen oder die Veränderung der Blutgefäße und eine Läsion des Gewebes, insbesondere im Fall von übermäßiger Entzündung8.

Im Fall von Arteriitis mit Verengung oder Verstopfung der Arterien werden die Verteidigungsmechanismen gar nicht erst ausgelöst, was zu besonders schlimmen Wunden führen kann.

Ist es sinnvoll, sich im Fall eins diabetischen Fußsyndroms an eine Facheinrichtung zu wenden?

Eine Fachrichtung für diabetische Füße ist eine Struktur, in der verschiedene medizinische Fachkräfte (Ärzte, Krankenschwestern/-pfleger, aber oft auch Fußpfleger-Podologen, Orthopädietechniker usw.) betroffene Personen ambulant und/oder stationär behandeln. Diese Einrichtungen verfügen über hervorragende Kenntnisse bezüglich der Läsionen eines diabetischen Fußes und können eine effiziente Behandlung sicherstellen. 

Vorteile einer Facheinrichtung für das diabetische Fußsyndrom: 

Wenn sich Menschen mit Typ-1-Diabetes an ein Spezialzentrum für das diabetische Fußsyndrom wenden, können sie folgende Leistungen nutzen: 

  • eine Komplettuntersuchung (Arterien, Nerven, Metabolismus), 
  • lokale Versorgung und entsprechender Wundverband, wozu auch eine Hygieneaufklärung gehört, 
  • bei Bedarf der Einsatz von speziellen Techniken (Bildverarbeitung, vaskuläre und orthopädische Chirurgie),
  • eventuell eine gesteuerte Therapie mit Antibiotika, wenn die Wunde entzündet ist, 
  • Entlastung des Fußes, 
  • medizinische Überwachung bis zur Wundheilung, 
  • Ernährungstipps, 
  • Aufklärung über Vorbeugung, um jede Art von Rückfall zu vermeiden.

Ich lebe mit Diabetes Typ 1 und habe eine Wunde am Fuß: Kann mein HbA1c-Wert die Wundheilung beeinflussen?

Die Hypothese, dass eine bessere Blutzuckerkontrolle, die über den HbA1c-Wert gemessen wird, zu einer Verkürzung der für eine Wundheilung benötigten Zeitspanne führt, ist noch in der Diskussion9.

Sind bei einem diabetischen Fuß spezielle Schuhe notwendig?

Für die Heilung einer Läsion greift man zu Techniken, die den Fuß entlasten: Einlagen, vorübergehende Benutzung von therapeutischen Schuhen, Vorrichtung zur vorübergehenden Hilfe für die Wundheilung, eventuell ein Gips oder abnehmbare Stiefel, oder auch maßgefertigte orthopädische Schuhe. 

Bei einer Verformung des Fußes ermöglicht die Benutzung von geeigneten Schuhen als Vorbeugemaßnahme, den Druck auf die Fußsohle im Vergleich mit Standardschuhen um 30% zu verringern und damit das Verletzungsrisiko einzuschränken. 

Um bei trophischen Störungen einen Rückfall zu verhindern, ist eine geeignete Betreuung zu empfehlen: Versorgung durch einen Fußpfleger-Podologen, geeignetes Schuhwerk und therapeutische Aufklärung.

Kann man die Ausbildung eines diabetischen Fußsyndroms verhindern?

Die therapeutische Aufklärung ist entscheidend, um Personen mit Diabetes Typ 1 in die Lage zu versetzen, eine Läsion der Füße zu erkennen und Komplikationen zu verhindern: Pflege und Hygiene, Schneiden der Fußnägel ohne Verletzungen zu verursachen, an die Verformungen der Füße angepasste Schuhe. 

Um die Füße zu schützen, empfehlen medizinische Fachkräfte zum Beispiel, niemals barfuß oder in Strümpfen herumzulaufen, weder im Haus noch draußen. 

Generell ist es bei einem Diabetes Typ 1 sinnvoll, für eine ständige medizinische Versorgung und die Früherkennung von chronischen Komplikationen zu sorgen. Die Behandlung von anderen kardiovaskulären Risikofaktoren (Cholesterin, arterielle Hypertonie, aktives Rauchen, Übergewicht etc.) muss damit verbunden werden. 

Im Fall einer Läsion ist ein frühzeitiger Beginn der Behandlung durch ein geschultes, fachübergreifendes Team wichtig, das auf Vorbeugung und die Behandlung des diabetischen Fußsyndroms spezialisiert ist. 

Quellen

1https://iwgdfguidelines.org/guidelines/guidelines/

2Boulton AJ. The diabetic foot–an update. Foot Ankle Surg. 2008;14(3):120-4.

3Lobmann R, Schultz G, Lehnert H. Proteases and the diabetic foot syndrome: mechanisms and therapeutic implications. Diabetes Care. 2005 Feb;28(2):461-71.

4Armstrong DG, Lavery LA, Harkless LB. Validation of a diabetic wound classification system. The contribution of depth, infection, and ischemia to risk of amputation. Diabetes Care. 1998 May;21(5):855-9. 

5The Sage Group. Diabetic foot ulcers, peripheral arterial disease and critical limb ischemia. Http://thesagegroupus/pages/reports/dfu-statisticsphp. 2012.

6Lavery LA, Armstrong DG, Wunderlich RP, Tredwell J, Boulton AJ. Diabetic foot syndrome: evaluating the prevalence and incidence of foot pathology in Mexican Americans and non-Hispanic whites from a diabetes disease management cohort. Diabetes Care. 2003 May;26(5):1435-8.

7Dinh T,Tecilazich F,Kafanas. Mechanisms involved in the development and healing of diabetic foot ulceration.Diabetes. 2012 Nov;61(11):2937-47

8Shuofei , Zhichun , Ting. Neutrophil Extracellular Traps Are Markers of Wound Healing Impairment in Patients with Diabetic Foot Ulcers Treated in a Multidisciplinary Setting. Adv Wound Care .January 2020; 9(1): 16–27.

9Fesseha BK, Abularrage CJ, Hines KF.Association of Hemoglobin A 1c and Wound Healing in Diabetic Foot Ulcers. Diabetes Care. 2018 Jul;41(7):1478-1485.

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